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Tshering und Peter Guggemos stellen erstmals ihre Projekte in der Everest-Region vor (Allgäuer Zeitung vom 17.12.2004)

Von Verena Stitzinger

Seeg/Nepal.

Sie haben viel zu erzählen: Eine ungewöhnliche Lebensgeschichte und eine schwere Krankheit führten die Nepalesin Tshering Guggemos ins Allgäu. In Marktoberdorf wohnt sie mit ihrem Mann Peter, dem Bergsteiger, der schon mehrere Achttausender bestiegen hat. Große Worte sind aber nicht ihre Sache. Nun aber sprachen sie doch vor Publikum: Um ihr eigenes kleines Hilfswerk vorzustellen, die Nepalhilfe Allgäu

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Nach Seeg hatte das Ehepaar Guggemos eingeladen, um Interessierten ihre Hilfsprojekte im Himalaya vorzustellen. Tshering Guggemos ist in Namche aufgewachsen. Das Dorf ist mit rund 800 Einwohnern die letzte größere Ansiedlungen auf dem Weg zum Basislager des Mount Everest. Und während dort die Expeditionen und Trekker aus aller Welt vor allem mit den Bergen beschäftigt sind, kämpfen viele Einheimische ums Überleben.

„Tshering hatte gesundheitliche Probleme und war deshalb lange in Deutschland. Als sie jetzt wieder daheim war, hat sie beschlossen, im Kleinen etwas zu bewegen", schilderte Peter Guggemos. Er formuliert nicht dramatisch. doch hinter den beiden Sätzen verbirgt sich Ungewöhnliches: Mitte der 80er Jahre hatte Tshering den Bergsteiger aus Seeg kennen gelernt. Nach gegenseitigen Besuchen heirateten sie und planten eine Zukunft im Himalaya. Doch eine Krankheit zerstörte Tsherings Niere, sie wurde Dialysepatientin. Ein Leben in Nepal war unmöglich. Acht Jahre wartete die zierliche Frau auf eine Spenderniere, dann konnte sie endlich ihre Familie besuchen.

Da wurde ihr der Unterschied bewusst, zwischen der alten Heimat im Himalaya und der neuen im Allgäu. „60 Prozent der Nepalesen können nicht lesen und schreiben", erzählt Tshering. Viele Menschen leben in Armut. Durch kleine Projekte will sie direkt helfen.

Das ist nicht einfach, in der Khumbu-Region, in der das Volk der Sherpa lebt: Erreichbar ist der Hauptort per Flugzeug und anschließendem zweitägigen Fußmarsch. Auch Schulwege sind lang. „Das Rad hat dort keine Verwendung. Auf den schmalen Wegen wird alles auf dem Buckel getragen", beschreibt Guggemos. Zwar habe der Tourismus in den vergangenen Jahren Geld gebracht, aber die Kluft zwischen arm und reich werde immer tiefer. Viele Kinder können nicht zur Schule gehen, weil sie in der Familie zum Arbeiten gebraucht werden oder das Schulgeld nicht aufzubringen ist. Tshering und Peter Guggemos. vermitteln Patenschaften, 50 Euro pro Monat sind dafür nötig. „Drei Kinder können so schon in die Schule gehen, vier werden jetzt noch eingeschult", sagt Guggemos. Auch in der Schule engagieren sich die beiden: Für 700 Euro wurden zwei Klassenzimmer mit Bänken und Stühlen ausgestattet, zuvor waren die Kinder auf dem Boden gesessen.

Am Herzen liegen dem Ehepaar Guggemos auch die alten Menschen, die in ärmlichsten Verhältnissen leben und kaum zu essen haben. „Nur zwanzig Minuten vom weltberühmten Kloster Thengboche entfernt, liegt ein Nonnenkloster, das niemand kennt", sagt Peter Guggemos. Dorthin haben sie schon Lebensmittel und sauberes Bettzeug gebracht. Um das Kloster gebe es „vergessene Leute", die bei der Landflucht zurück geblieben sind: „Sie vegetieren in heruntergekommenen Hütten dahin", berichten sie. Auch eine 100-jährige`Gebetsmühle haben die Helfer restaurieren lassen. Und sie haben: Zukunftspläne. Eine kleine medizinische Versorgungsstation . wollen sie einrichten. Dafür und für ihre anderen Projekte sammeln sie Spenden.

Wer die Nepalhilfe Allgäu. unterstützen will, kann dies durch Übernahme einer Patenschaft, mit Einzelspenden oder persönlicher Hilfe wie Materialtransport. Spendenkonto: Sparkasse Allgäu, BLZ 733 500 00, Kontonummer 204 009 518. Nähere Informationen geben Tshering und Peter Guggemos unter Telefon (08342) 41777 oder im Internet unter:

 

Nepalhilfe Allgäu e.V. 

Tshering u. Peter Guggemos · Meinrad-Spieß-Str. 24 · D-87616 Marktoberdorf

Tel. 0 83 42 - 4 17 77 · Fax 0 83 42 - 4 24 63 · info@nepalhilfe-allgaeu.de